Testbericht Progress Jiu Jitsu „The Summit“ BJJ Gi

„It’s not the mountain we conquer but ourselves.” (Es ist nicht der Berg, den wir erobern, sondern uns selbst)

Über Progress Jiu

Progress Jiu Jitsu ist eine relativ junge Marke die 2012 in Großbritannien gegründet wurde.

Es werden vorrangig BJJ Kimonos und No-Gi Trainingsbekleidung entworfen und produziert, aber auch Casual Wear. Die Designer versuchen Hand in Hand mit den Protagonisten der BJJ Szene einen speziellen Look gepaart mit hochwertigem Equipment zu generieren. Die Designs erscheinen frisch, aber nicht verspielt, spiegeln eine coole Mischung aus der britischen BJJ-Geschichte und entspannten Vibes in der Jiu Jitsu-Szene wieder. Progress bezeichnet sich selbst als eine Lifestyle-Marke.

Die schwere Suche nach einem neuen BJJ Gi

Da mein letzter Gi Zugang schon einige Zeit zurückliegt, stand mir der Sinn nach etwas Neuem. Die Suche nach einem neuen Look gestaltete sich schon ein wenig schwierig, da ich jetzt mittlerweile 8 Kimonos besitze.

Darunter befinden sich Klassiker wie ein Atama Mundial, ein Keiko Raca und ein Fuji, aber auch verspielte Modelle wie ein Venum Absolute Koi oder der Thinker Monkey von Tatami. Da ich alle „klassischen“ Farben besitze stand mir der Sinn nach einer kleinen Abwechslung. Um es nicht auf die Spitze zu treiben und ich meinen RFS Professor A. Eghbali nicht mit zu viel Extravaganz nerven wollte, habe ich kein Rot, Gelb, Military Grün oder !Pink! gewählt. Meine Wahl fiel mit dem Progress „The Summit“ doch reicht unrebelisch aus: ein einfaches Grau, kein Schnösel, schlichte Patches.

Produziert in Pakistan, designed in Großbritannien, gekauft in Frankreich und letztendlich getragen in Deutschland.

Besonderheiten des Progress Jiu Jitsu - The Summit
  • Farbe: grau
  • Webart Jacke: pearl weave
  • Material: Baumwolle
  • Materialdichte: 450 GSM
  • Hose: Canvas
  • getestete Größe: A2L
  • vorgeschrumpft: keine Angabe des Herstellers

Bei den Angaben auf der Homepage vermisse ich persönlich die Gewichtsangabe, auch wenn diese bei der fehlenden IBJJF Zulassung keine größere Rolle spielt. Und ehrlich: auf der Matte sind 200 g mehr oder weniger im Kimono eher zu vernachlässigen, da sind 2 kg an der Hüfte schon eine andere Liga und eine Herausforderung, um in der gewünschten Wettkampfgewichtsklasse zu bleiben.

Maße vor und nach dem Waschen

VorherNachher
Ärmel bis zum Kragen 79cm 77cm
Jackenlänge ohne Kragen 82cm 79cm
Ärmelende zu Ärmelende 178cm 174cm
Beinlänge außen 104cm 103cm
Beinlänge innen 77cm 76cm
Hosenbund 55cm 55cm

Größentabelle Progress Jiu Jitsu

Aber ein Hinweis auf die zu erwartende Schrumpfung oder auf die Vor- Schrumpfung im Herstellprozess hätte ich in dem Preissegment nun doch schon erwartet. Aber für die vielen offenen Fragen habe ich für Euch diesen Test geschrieben.

Die Artbezeichnung „a lightweight but solid build.“ (Eine leichte, aber solide Konstruktion…. was immer das auch relativ -zu wem- oder -zu was- bedeutet) wird wohl der Praxistest zeigen.

Bei einer Körpergröße von 188 cm, einem mittleren Gewicht von 90 kg, habe ich als drahtiger Typ relativ lange Arme und Beine. Grenzwertig zwischen den GI Größen A3 und A4 liegend bevorzuge ich einen A3. Typisch für meinen Körpertyp wäre der A4 mit perfekter Arm- und Beinlänge aber ein großes, nicht gefülltes Kimono Volumen am Rumpf, da müssten schon mehr Kilos auf meine Rippen. Bei einer A3 Größe liegt normalerweise der Stoff am Torso perfekt an, jedoch sind Bein- und Armlänge grenzwertig.

Je nach Hersteller, Modell und Schrumpfung nach dem Waschen kann da schon eine Überraschung auftauchen, die selbst der unangemeldete Besuch der Schwiegermutter zum Kaffee Klatsch am Sonntagnachmittag übertrifft. Macht aber in meinem Fall nichts, da ich eine super Schwiegermutter habe.

Im Alter wird man ja kleiner und da ich mit Riesenschritten auf die 50 zugehe, fiel meine Wahl zum ersten Mal auf die Zwischengröße A2L

Die Wahl der Größe war für mich Neuland und war der doch recht ungewöhnlichen Größentabelle des Herstellers geschuldet. Da dieser Gi nicht IBJJF regelkonform ist, ich 3 Wettkampf Gis besitze und in nächster Zeit kein Turnier besuchen werde, war mir die Passform aber schon mal relativ egal. Ob ich nun glücklich mit der Wahl des „Summit“ bin, seht Ihr in meiner weiteren Beschreibung.

Bestellung & Lieferung bei Unlimited Fightwear

3 Tage nach Bestellung wurde der Gi geliefert, an einen Postshop. Dies ist den Lieferbedingungen von www.unlimitedfightwear.fr geschuldet, die Lieferung erfolgte mit Chronopost via DPD Shop. Kurz einige Anmerkungen zum Kimono Shop und den aktuellen Angeboten. Es gibt eine gute Auswahl, eine einfache Zahlungsabwicklung bei fairen Preisen der angebotenen Produkte. Achtet auf die Sonderangebote, dann krachts richtig und Ihr könnt mit Rabatten bei ausgewählten Produkten und Größen von bis zu 40% rechnen. Lieferkosten nach Deutschland liegen bei fairen 4,70 Euro, da sind andere französische Shops bedeutend teurer. Die Sendungsverfolgung ist einfach und auf der Höhe der Zeit, die Information zur Bestellung und der Versandstatus erfolgen per email Benachrichtigung.

Geliefert wird der Gi in einer verschweißten wasserfesten Plastiktasche, welche bei Speditionen im Textilbereich sehr oft verwendet werden. Die Lieferung erreichte mich unbeschädigt, die Abholung im Paketshop verlief dank meines frisch ausgestellten Personalausweises reibungslos.

Unboxing – Erster Eindruck vom “The Summit Kimono”

Der Gi wird in einem Stoffbeutel geliefert, der zweiseitig bedruckt ist. Den kann man dann auch zum Transport des Gi oder für andere Bestimmungen verwenden. Um das Trainingsgerät zum Bestimmungsort zu befördern und wieder zurück, ist dieser Beutel aber nichts für meinen Geschmack. Ich bevorzuge hier die geräumige Tasche, in der alles vom Handtuch, Trinkflasche, Shampoo etc. untergebracht werden kann.

Beim Auspacken fiel mir der neutrale Geruch auf, kein Ausströmen von Chemiegeruch

Das der Gi trotzdem mit Chemikalien behandelt wurde, um die Reise vom Herstellungsort in Pakistan zum Bestimmungsland frei von Schädlingen zu überstehen, gilt aber als von mir angenommen. Dann der erste Hand- Augen- Kontakt, der mich angenehm überraschte. Der Gi fühlte sich weich an, der Farbton ähnelt einem sehr tiefen satten Grau, das leicht seidig schimmert. Die Kontrastnähte sind in schwarz gehalten und verleihen dem Gi, in Verbindung mit dem tiefen Grau und dem leicht schimmernden Effekt, ein edles Äußeres.

Das Gesamtgefühl ist mit einem Wort zu beschreiben: WOW!

Im Zeitalter der immer Schriller werdenden Gi-Designs gelingt es Progress mit einem perfekten Maß an Subtilität aufzufallen. Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden, und in der bunten weiten Welt der Gi Marken kann jeder fündig werden. Der Preis für den Summit liegt normal bei rund 120 Euro und damit im mittleren Preissegment. Dies ist definitiv ein Qualitäts Gi und für die Haptik und das verwendete Design finde ich den Preis gerechtfertigt.

Um das Unboxing kurz zusammenzufassen: es überfiel mich die typische Gefühlsreihenfolge auspacken, anziehen, rollen, schwitzen, glücklich sein. Bevor ich mich jedoch dem ureigenen BJJ Instinkt unterwerfe werde ich Euch noch mehr über den Gi berichten.

BJJ Gi Jacke – Progress The Summit Kimono

Die Gi Jacke fühlt sich leicht an und ist wohl der Webart und der Materialdichte geschuldet, kein Superlight, aber auch keine Rüstung wie der Hayabusa Goorudo 3. In Summe ein gutes Mittelgewicht. Wie schon beschrieben fühlt sich die Gi Jacke weich an. Der Lapel des Gi hat eine leicht andere Farbe wie der Gi, das muss man mögen, ist aber noch im eher unauffälligen Bereich.

Die Festigkeit/ Steifheit des gummierten Kragens würde ich als mittlere Einstufung sehen, erinnert mich an meine beiden Tatami Modelle, erreichet aber nicht die Steifigkeit des Venum Absolut Koi. Er fühlt sich aber beim Tragen sehr angenehm an, er scheuert nicht oder behindert stark. Die Nähte des Lapel sind nicht immer gerade, aber sauber gestochen.

Ab und zu hängt noch ein Fadenende lose am Stoff. Das Nahtband der Ärmelenden ist schlicht, kratzt nicht und ist nicht mit dem sonst oft bei Konkurrenzprodukten anzutreffenden Logo oder Namen des Herstellers versehen. Auf dem Gi Oberteil sind insgesamt 5 Patches aufgebracht.

An den beiden Ärmeln befindet sich das Progress Firmenlogo, auf der linken Brustseite und auf dem Nacken das 2-Berge-Gipfel Logo (in Schwarz und Silber gehalten) und die Modellbezeichnung am unteren vorderen Saum des Gi. Gut gelungen ist das 2-Berge-Gipfel Logo, welches die Bedeutung und den Spirit des Gi sehr schön verkörpert. Die Patches sind ordentlich aufgenäht, jedoch habe ich persönlich schon besser und saubere gestickte Patches gesehen. Im Inneren der Jacke ist im oberen Bereich ein Rashguard Futter vernäht, das mich im verwendeten Muster ein wenig an den typischen Brit Pop erinnert.

BJJ Gi Hose – Progress The Summit Kimono

Die Hose besteht nicht aus Rip Stop, sondern ist ein schlichtes mittelschweres Canvas Gewebe. Dies ist in keiner Beschreibung erwähnt. Da ich beide Arten mag, habe ich hier keine Favoriten. Aber es wäre schön gewesen es vor dem Kauf auch zu wissen. Bei genauem Hinsehen ist auf der Homepage die Stoffqualität aber zu erkennen.

Auch bei der Hose sind schwarze Kontrastnähte vorhanden, die nicht immer gerade, aber ebenfalls sauber gestochen wurden. Auch hier ist das Nahtband an den Hosenenden schlicht und nicht kratzig. Am Hosenbund sind insgesamt 6 farblich abgehobene Gürtelschlaufen angebracht.

Um das Herunterrutschen der Hose zu verhindern, wird eine elastische Kordel verwendet, welche sich ebenfalls farblich vom verwendeten Grau der Hose toll abhebt Die Knie sind verstärkt und mit einzelnen Nähten gesichert. Der hintere Teil der Gi-Hose ist etwas höher als die Vorderseite. Diese Schnittweise scheint die neue großartige revolutionäre Veränderung der Gi-Hosen zu sein. Im Endeffekt passen die Gi-Hosen gut.

Da dies kein Bling Bling Gi ist, wurde auf der Hose auf dem linken oberen Oberschenkel lediglich ein 2-Berge-Gipfel Patch, wie bei der Gi Jacke, aufgebracht. Auf der rechten Seite ist der Schriftzug des Herstellers „Progress“ dezent farblich, im Schreibschrift Stil, eingestickt.

Der Progress “The Summit Kimono” im Praxistest

Der Gi selbst zog viele „Oohs und Ahhs“ von meinen Kollegen im Training auf sich. Nun gut, bestimmt war auch ich damit gemeint. Aber ein Gi allein gewinnt nicht auf der Matte sondern das Können des Trägers. Somit war ich natürlich ein selbst erklärtes Ziel unserer Top Leute. Schaut gerne mal auf unsere Homepage und unsere Erfolge www.rfsteam.de/erfolge , dann habt Ihr eine kleine Ahnung, was mich auf der Matte erwartet hatte. Da half dann auch kein „Progress The Summit“, da galt es zu fighten.

Der Gi sitzt wirklich wie angegossen. Die Jacke ist fühlt sich leicht an, Griffe der Gegner können gut gebrochen werden. Obwohl die Hose aus Canvas besteht, ist sie federleicht. Das muss an der guten Passform liegen. Die Kordel sitzt bombenfest, nichts verrutscht, zwickt oder schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Auf jeden Fall ein tolles Gefühl in dem Gi zu rollen. Bedingt durch den Schnitt ist dieser Gi bei meinem Körperbau eine Top Empfehlung!

Fazit zum Progress “The Summit Kimono”

Für mich persönlich ein rundum gelungener Gi in der mittleren Preisklasse. Er wirkt edel und abgestimmt, ist gut verarbeitet, ist nicht aufdringlich und besitzt für mich eine tolle Passform. Der leicht schimmernde Farbton des Grau ist leider verschwunden.

Der eigentliche Farbton selber ist nach dem Waschen erhalten geblieben, dürfte aber im Verlaufe der Zeit eine andere, hellere Nuance bekommen. Auf jeden Fall eine Bereicherung meiner Gi Auswahl, den ich hoffentlich oft einsetzen werde. Da die verwendeten Materialien sich mittlerweile als Standard im Markt der Middleweight Kimonos etabliert haben, gehe ich auch von der üblichen Lebensdauer aus. Und die ist wie immer vom Einsatzort, der Einsatzfrequenz und der angewandten Dynamik abhängig.

Nachtrag: Genehmigung der Ehefrau
Meine Frau ignorierte mich, als ich sie fragte, wie sie den Gi findet. Sie schwatzt weiter über „Jiu Jitsu ist ein Großteil Deines Lebens“ und „hast ja mehr Gis als ich Handtaschen“ oder etwas ähnliches. Ich bin mir nicht ganz sicher, was sie sagte, ich hörte nicht wirklich zu. Ich war zu sehr damit beschäftigt, meinen neuen Progress Gi zu genießen.

Zum Autor Enrico

Ich habe relativ spät, mit 33 Jahren angefangen zu trainieren, seit 2003 bin ich Mitglied im RFS Team Carson Gracie Germany. Begonnen mit No Gi entwickelte sich dann ab 2009 die Leidenschaft im Brasilianischen Jiu Jitsu. Mittlerweile Brownbelt mit einem 2-3 maligen wöchentlichem Trainingspensum im RFS Carlson Gracie Team unter der Leitung von A. Eghbali. Ich stehe weder mit dem Hersteller, mit Gi World oder mit den erwähnten Onlineshops in einer vertraglichen Beziehung. Der Gi wurde nicht kostenfrei zugestellt. Alle Ansichten sind die Widerspiegelung meiner persönlichen Eindrücke. Oss!

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